Im Schwimmbad

Kürzlich war ich mal wieder im Schwimmbad.

Ein Hallenbad, ganz in der Nähe.

Großes Schwimmerbecken, Nichtschwimmerbecken, Babybecken und die Möglichkeit, nach draußen durch eine Schleuse zu schwimmen, wo sich ein rundes Becken mit Sitz- und Liegemöglichkeit befindet, sowie ein Rundlauf in dem ungefähr alle Viertelstunde eine Wasserwelle angeschaltet wird. An den Beckenwänden befinden sich auch noch Massage-Düsen, sehr kräftig.

Für gewöhnlich schwimme ich ein paar Längen, ganz gemütlich, sehr voll ist es nicht, viele ältere Menschen. Dann mache ich mal eine Pause, lehne ich mich an den Beckenrand und beobachte gerne die Mitbadenden. Einige gehen ganz vorsichtig über die Treppe ins Becken, huch, das Wasser könnte ja nass sein! Aber kürzlich sah ich eine Frau, etwas füllig, ungefähr so wie ich, mit einem Lächeln im Gesicht auf die Treppe zugehen. Sie zögerte nicht, sondern hüpfte gleich mit einem Juchzer ins Wasser und zog dann mit kräftigen Zügen davon, das gefiel mir.

Jugendliche springen oft vom Beckenrand hinein, obwohl es ja eigentlich nicht erlaubt ist, aber wer will da schon meckern, es sei denn, die Frisur leidet.

Da muss ich immer an meine Freundin Helga denken, wir trafen uns einige Jahre lang immer dienstags zum Schwimmen. So ein fester Termin hat was, man hält sich dran und es machte ja auch immer Spaß. Zwei Stunden und dann noch einen Kaffee.

Ab und zu war da auch ein älterer Herr, der mit einer Mischung aus Kraulen und Schmetterling durch das Wasser pflügte und dabei ordentlich Wellen schlug. Sehr zum Ärger von Helga, denn sie war immer sehr akkurat mit ihrer Frisur, die durfte nicht nass werden. Sie konnte zwar gut schwimmen, aber nur mit Kopf oben, das war so eine kleine Marotte von ihr.

Aber dann kam der Umbau des Schwimmbads, lange Pause, dann Corona, dann Krankheit und – ach, Helga.

Schön ist es auch immer den Kleinen zuzusehen. Eine kleine, vielleicht fünfjährige im Rüschenbadeanzug und Schwimmflügeln, stellte sich auf die oberste Stufe des Nichtschwimmerbeckens, hielt sich das Näschen zu, zählte bis drei und sprang dann hinein, wobei sie das Näschen loslassen musste. Ein paar Mal ging das so mit viel Vergnügen.

Ein anderes, vielleicht sechsjähriges Mädchen mit einem schwarzen Zopf, der ihr bis über den Rücken hing, wurde von ihrem etwas älteren Bruder sorgsam bewacht, aber die Kleine machte sich einen Spaß daraus ihm immer wieder zu entwischen.

Ich drehe noch eine Runde.

Aber wieder schweifen meine Gedanken ab. Als kleines Mädchen mit ca. 4 oder 5 Jahren lernte ich bereits im Main das Schwimmen, jedenfalls ein paar Züge, so erzählte es meine Mutter. In Flensburg dann gab es dann eine Seebadeanstalt, dort lief ein strenger Schwimmlehrer mit einer langen Stange, die er ins Wasser hielt, auf dem Steg entlang und man musste hinterherschwimmen. Das war irgendwie kein Vergnügen. Dann erinnere ich mich noch an die Schwimmstunden in der Oberschule, da gelang es mir den „Freischwimmer“ zu machen, 50 Meter schwimmen und dann eine „Mut-Sprung“ vom 1 Meter-Brett. Die Lehrerin sprach mit „st“. Weitere Fortschritte machte ich nicht, war ja auch nicht notwendig.

Bei Badewetter fuhren wir mit der Straßenbahn bis nach Mürwik, und von dort aus einen kleinen Fußmarsch bis nach Solitüde. Ein weiter weißer Strand der ganz flach ins Wasser überging. Strandkörbe gab es nicht. Decke ausbreiten, die Kleidung möglichst unauffällig ablegen und den Badeanzug anziehen, dann hinein ins Vergnügen! Proviant hatten wir dabei, meist ein belegtes Brot. Als Getränk gab es schwarzen Tee mit Zucker und Zitrone in einer Bierflasche mit Bügelverschluß. Das Butterbrotpapier und die leere Flasche wurden wieder mit nach Hause genommen.

Wieder bin ich in Gedanken, aber, liebe Ingrid, man muss auch was tun! Am besten gleich morgen wieder ins Schwimmbad gehen, oder übermorgen?

Über diemitHut

Avatar-FotoIch heiße Ingrid, gehöre zu den Ü-Achtzigern, alleinlebend, nicht immer einfach. Den ganzen Tag mit der Katze reden, das ist nicht so das Wahre. Deswegen ist es wichtig für mich, den Kontakt zu meinen Freunden und Bekannten zuhalten. Über meine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit für den Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe fand ich zu Kiss und zum Kiss-Magazin, jetzt Blog. Ich habe schon immer gerne "gedichtet", meine -zigseitigen Aufsätze in der Schule waren legendär. Meine Geschichten haben oft einen wahren Hintergrund, andere sind einfach frei fabuliert und meine Elfchen sind oft Zwölfchen. Ich liebe meine Tochter! Ich liebe meine Katze! Ich liebe das Leben!