Wer Freunde sucht, ist sie zu finden wert.
Wer keine hat, hat keine begehrt.
Diese Worte wurden mir in mein Poesiealbum geschrieben von zwei Lehramtsanwärterinnen, die damals an meiner Schule ein Praktikum absolvierten.
Das war im Jahr 1955.
Dieser Spruch bekümmert mich noch heute. Denn ich hatte keine Freundinnen in der Schule, und hätte doch so gerne welche gehabt.
Woran das lag? Ich kann es nur vermuten. In unser kleines Zimmer konnte ich niemand einladen, und wenn sich mal eine Mitschülerin mit mir verabredete, konnte es vorkommen, dass ich an der Tür abgewimmelt wurde. War ich nicht fein genug? Lag es daran, dass ich oft in „weitergegebenen“ Kleidern ging, und auch nur Margarine auf dem Pausenbrot?
Vielleicht war es ein „Glück“ für mich, dass ich in der Quarta sitzenblieb, denn in der neuen Klasse traf ich Wiebke, die ich aus der Volksschule kannte. Wir waren für lange Jahre Freundinnen.
Ich nehme mal an, dass diese Schreiberinnen, die eigentlich ganz nett waren, wenn ich mich recht erinnere, eine ganze Reihe solcher und ähnlicher Sprüche auf Lager hatten und die dann der Reihe nach in die Poesiealben geschrieben wurden. Sie waren sich wohl nicht bewusst, dass mir dieser Spruch wehtat, sie kannten mich ja nicht.
Denkt dran, was man schwarz auf weiß besitzt, usw.