Es war Herbst. Ein paar Tage summten noch einzelne Insekten, dann war es still. Wir hatten es schön warm und gemütlich, als plötzlich nach dem Lüften eine Fliege bei uns Zuflucht suchte. Es sollte ein längerer Aufenthalt werden.
Kaum legten wir uns zu einem Mittagsschlaf hin, hatte die Fliege anderes mit uns vor. Dennoch dauerte es keinen Tag und sie bekam den Namen Bisy, nach der Fliege aus der entzückenden Kinderbuch- Reihe „Bisy und Karl-Heinz“. Damit war an einen kurzen kräftigen Schlag nicht mehr zu denken. Bisy durfte von unseren Tellerchen naschen, in unseren Büchern mitlesen und Fernsehen schauen. Kamen wir nach Hause, wurden wir freudig begrüßt. Abends überlisteten wir sie: Licht im Flur an, im Schlafzimmer aus… schnell den Lichtschalter aus und Schlafzimmertür zu! Schlich einer von uns nachts ins Bad, saß Bisy nach der Rückkehr schon auf der Nachtischlampe. Ein mürrisches „Hier wird geschlafen“, wirkte. Beim ersten Tageslicht hörten wir wieder freundliches Summen, ganz zu Schweigen von den zärtlichen Streicheleien mit denen wir verwöhnt wurden. Mir fiel ein Buch von Esther Vilar ein. In „Rositas Haut“ geht es um ein Mosquito, das sich in eine verführerisch schöne Frau verliebt. Es gibt ein trauriges Ende für das Mosquito.
Unser Besucher verschwand wie er gekommen war, an einem sonnigen Tag nach dem Lüften. Die plötzliche Stille irritierte uns anfangs sehr. Wie lange können Fliegen wohl in der Kälte überleben? Vielleicht ist Bisy im Insekten-Himmel wieder mit ihrem Karl-Heinz, der Spinne vereint.