Ich sitze in der U-Bahn, abends um 22 Uhr, bin auf dem Heimweg von meiner Selbsthilfegruppe.
Links von mir unterhalten sich zwei auf Ukrainisch.
Rechts liest jemand eine Zeitung, die Schriftzeichen sehen arabisch aus.
Hinter mir telefoniert jemand, in rasantem Italienisch.
Und die drei schräg gegenüber – reden die Farsi?
An der nächsten Haltestelle steigt eine Gruppe Jugendlicher ein, sie frotzeln einander, mal auf Türkisch, mal auf Deutsch, mal in einer interessanten Mischung.
Laut telefonierend steht eine junge Frau an der Tür, um auszusteigen, es klingt nach Spanisch.
Ach, und die Dame da vorne denkt sicherlich gerade auf Japanisch nach – oder auf Chinesisch – oder auf Taiwanesisch – ich kann es nicht so genau erkennen.
Und ich? Ich lese meine Zeitung im Smartphone, auf Deutsch, weil ich das am besten verstehe.
Aber wenn ich ganz ehrlich bin – ich würde gerne auch Türkisch, Ukrainisch, Italienisch und Arabisch verstehen – was für eine Bereicherung wäre das in meinem Leben! Wie beneide ich die Menschen um mich herum, die mindestens zwei Sprachen sprechen – vielleicht nicht immer fließend, die häufig mühelos von einer Sprache in die andere wechseln.
Und ich weiß ganz genau: im Bedarfsfall würden alle Deutsch mit mir reden.
Es fühlt sich nach Heimat an, nach der vielfältigen Heimat einer Großstadt. Unter dem Motto „Wir sind das Stadtbild, wir gestalten das städtische Leben“. Ein gutes Gefühl, denn ich gehöre dazu!