… und was aus ihm geworden ist.
Ich habe mir schon oft überlegt, was mein erster Artikel für ein Thema haben soll. Und heute habe ich mich dazu entschlossen, einfach loszulegen und dem Flow zu folgen. Schauen wir mal was passiert.
Kurz zu meiner Geschichte, für die, die sie nicht kennen.
Mein Name ist Thomas, ich bin 47 Jahre alt, Vater von 3 Töchtern, in der ehemaligen DDR aufgewachsen, fliesenlegender Informatiker und Mit-Begründer einer Non-Profit Organisation Herzwärts (traumasensible Kreise). Ich hatte in meinem Leben 2 schwere Psychosen. Die erste Psychose habe ich im Alter von 17 Jahren und die 2. Psychose mit 46 Jahren erlebt.
Beide Psychosen waren eine komplette Retraumatisierung und haben mir mein Bindungstrauma aufgezeigt, was ich im Alter von 4 Jahren erlebt habe.
Kurz zu meinem erlebten Trauma.
Meine Eltern und ich waren damals im Ostsee-Urlaub mit unserem Trabbi. Wie damals üblich, hatten wir uns in eine kleine Bungalow Siedlung eingemietet. Meine Mutter hat mich, wie jeden Abend, ins Bett gebracht und beide sind, als ich geschlafen habe, zu den Nachbarn, um Gesellschaft zu genießen. Meine Mutter hat die Türe unseres Bungalow verschlossen. Auch das hatte einen Grund.
Ich bin bereits im Alter von 2 Jahren von Zuhause abgehauen und wollte Straßenbahn fahren (die Straßenbahn hieß bei mir BimBim). Diese Erfahrung verursachte bei meinem Eltern ein traumatisches Erlebnis und endete darin, dass ich mit der Volkspolizei und Blaulicht zu meinen Eltern zurück gefahren wurde. Für mich war das damals total aufregend, für meine Eltern der blanke Horror.
Ich bin dann in der besagten Nacht munter geworden und wollte zu meiner Mama. Dadurch, dass die Türe verschlossen war, konnte ich nicht raus. Bumm. Diese Situation verursachte das Trauma.
Vor 43 Jahren gab es noch keine Babyphones 😉
Ab diesem Zeitpunkt änderte sich alles. Menschen waren ab diesem Zeitpunkt für mich unsicher. Ich habe angefangen, mir eine Identität zuzulegen, die Menschen beobachtet und sie regelrecht scannt. Ich stellte mir immer wieder die Frage: “Ab wann fühle ich mich sicher und wann fühle ich mich unsicher?”; “Wann ist eine Bindung kohärent und wann ist eine Bindung inkohärent?”
Man kann sich sicherlich vorstellen, dass das eine schwierige Entwicklung hervorruft, die sehr anstrengend für mich war und mir viel Energie gekostet hat.
Mit 13 Jahren, dass war im Jahre 1992, habe ich mit meinem Vater auf dem Bau gearbeitet. Mein Vater war Tischler und hat damals bei einer Fensterfirma geschafft. Mit ihm gemeinsam habe ich im Hoch-Sommer schwere Fenster getragen und eingebaut. Mit dem Geld, was ich dort verdient habe, habe ich mir meinen ersten Computer gekauft. Einen 286er mit 16Mhz und 1MByte RAM. MS-Dos 6.22 als Betriebssystem. Zu dieser Zeit war Windows 3.11 kein Betriebssystem, sondern eine Applikation.
Die Welt der Computer-Technik hat mich total fasziniert und ich fand eine Welt vor, die für mich sicher war. Es folgten viele Tage und Nächte, in denen ich mich immer tiefer und tiefer in dieses neue Universum begab. Heute kann ich von mir behaupten, dass ich ein klassischer IT-Nerd bin. Ich habe angefangen Systeme zu analysieren. Sie bis zum letzten Bit zu verstehen war mein Antrieb. Heute hätte ich die IT-Berufsbezeichnung – Systemanalytiker –
Ich habe die Anfänge des Internets begleiten dürfen. Es gab Nächte mit meinen Freunden, wo wir versucht haben (und es natürlich auch geschafft haben) Computer über seriellen Schnittstellen miteinander zu verbinden, um dann später Command&Conquer zu zocken. Zu dieser Zeit gab es noch keine RJ45 Verbindungen in klassischen PCs 😉
Das war meine Welt. Hier fühlte ich mich wohl. Hier war ich Zuhause.
Jetzt fragt ihr euch sicherlich, wie kommt ein IT-Nerd zu einem traumasensiblen Männerkreis? Gute Frage.
Mich hat eine wesentliche Frage immer begleitet: “Warum bin ich so, wie ich bin?”
Ich habe durch meine ganzen Erfahrungen nicht nur Menschen- oder IT-Systeme analysiert, sondern natürlich auch mein eigenes System. Anfangs recht holprig und unbewusst, heute bewusster und flüssiger.
Durch das Erleben der beiden Psychosen und die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Trauma habe ich endlich in meinem Leben die Antworten auf meine Fragen erhalten, die ich mir schon immer gestellt habe. Ich habe angefangen, mein System zu verstehen. Meine bewussten oder unbewussten Handlungen hatten endlich eine Erklärung.
Die 2. Psychose erlebte ich Anfang 2025. Darauf folgte das schwerste Jahr meines Lebens. Ich war begleitet von schwersten Depressionen, Panikattacken und Flashbacks. Durch die intensive Auseinandersetzung mit meiner Ur-Wunde und Menschen in meinem Umfeld, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, konnte ich langsam zu mir finden.
Ich suchte in diesem Jahr nach Hilfe, nach Männern, die Ähnliches erlebt haben. Ich fand sie nicht. Ich suchte nach traumasensiblen Männerkreisen, die sich regelmäßig (am besten online, weil ich keine Energie hatte) treffen und bei denen man sich roh und authentisch zeigen kann. Ich suchte nach Gruppen, in denen man sich aktiv zeigen kann, um schnelle Hilfe zu erfahren. Ich hatte gelernt, dass ein regulierter Mann, dem ich vertraue, die schnellste Art ist, mein Nervensystem zu regulieren. Sprich, ein reguliertes Gegenüber ist die schnellste Art für Co-Regulation. Und genau das habe ich gesucht und nicht gefunden. Ich war in einigen Online-Gruppen (z.B. narcotics anonymous). Nur leider boten diese Gruppen nicht das, was ich gebraucht habe.
August 2025 bin ich dann auf einen Facebook-Post meines Freundes Adrian gestoßen. Adrian hatte ich ca. 3 Jahre zuvor bei einem Männer-Retreat im Wald kennengelernt. Adrian hat darüber berichtet, dass er gerade mehrere Ausbildungen zum traumainformierten Coach absolviert. Das hat sofort mein Interesse geweckt und ich habe ihn angeschrieben. Vorher hatten wir eher unregelmäßigen Kontakt. Ab diesem Zeitpunkt trafen sich 2 Männer, die eine ähnliche Geschichte erlebt haben. Unsere beiden Herzen wurden berührt und es entstand Herzwärts.
Ende 2025 habe wir ein Konzept ausgearbeitet, wie wir uns einen traumasensiblen Männerkreis vorstellen. Welche Prinzipien und Werte dafür nötig sind.
Wir haben die ersten Videos produziert und sind mit unserer Geschichte in die Sichtbarkeit gegangen. Wir konnten damit viele Männer erreichen. Haben die ersten Kennenlern-Calls geführt und konnten so den ersten Online-Herzwärts-Call mit 10 Männern am 04.03.2026 (mein Geburtstag) starten.
Wir waren so ergriffen von diesem ersten Call, dass wir viel geweint haben. Alles, was in diesem Call und alle weiteren Calls passiert, ist einfach nur magisch.
Herzwärts ist für uns was ganz besonderes und ich werde in einen der nächsten Artikel mehr über meine Erfahrungen in solchen Männerkreisen berichten.
Danke, dass du bis hierhin gelesen hast.