Wieder durfte ich einen Geburtstag feiern. Mit großer Freude feierte ich MICH.
Nach meiner Diagnose im Jahr 2013 befürchtete ich, dass sich meine Lebenserwartung gravierend verkürzen wird. Als ich dann Jahre später 60 Jahre alt wurde, konnte ich es nicht glauben. Mir ging es gut, keine Schübe mehr, die „üblichen“ Symptome waren erträglich.
Das Leben geht weiter, bringt Einiges mit und nimmt keine Rücksicht darauf, welche Päckchen man schon zu tragen hast.
Bei mir stellten sich neue Symptome ein, die mich verwirrten. Da schmerzte am Rücken eine Stelle, das war noch nie da. Angst machte sich breit – ist das ein Schub? Bitte kein Kortison, das vertrage ich nicht! Mit großem Unbehagen vereinbarte ich einen Arzttermin, die Angst war groß, mir war schlecht, als ich im Wartezimmer saß. Die Untersuchung ergab, dass eine Verhärtung an der Lendenwirbelsäule war, die offensichtlich von meiner Schonhaltung am Rollator entstanden ist. Physiotherapie und eine Schmerzsalbe – hat geholfen. Mein Arzt wollte mich mit dem Satz beruhigen, dass Alterserscheinungen auch vor mir nicht halt machen. Ich solle das entspannter angehen und nicht immer gleich eine MS-Verschlechterung befürchten.
Aber wie ist es nun mit MS im Alter?
Zu diesem Thema gibt es viele Veröffentlichungen, die das Thema medizinisch erläutern. Interessierte werden sie finden.
Persönlich achte ich mit mehr Aufmerksamkeit auf meine Gesundheitsvorsorge- und Impftermine. Meine Ernährung betrachte ich bewusster. Dauerstress will ich nicht mehr aushalten müssen, da gab es Einiges im Alltag zu verändern. Im Umgang mit gesundheitlichen Problemen habe ich gelernt, zunächst mögliche allgemeine Ursachen zu prüfen, bevor ich an eine neurologische Verschlechterung denke.
Ich liebe das Leben und möchte es auch genießen. Daher gönne ich mir die Freiheit nicht als Gesundheitsapostel durch die Welt zu gehen, sondern auch ab und zu den Genuss in den Vordergrund zu stellen. Entspannter zu werden.
Huch – Altersflecken auf der Haut. Ja, die dürfen sein, schließlich durfte ich wieder ein Jahr älter werden.
Und meine MS? Die wird mit mir älter, die Einschränkungen nicht besser.
Ich nehme alle Hilfsmittel in Anspruch, die mir Erleichterungen verschaffen. Wichtig für mich wurden Erholungstage. Einmal im Monat nehme ich mir eine Woche frei. Keine Termine, nur Zeit für mich. Es gilt Vergeudung von Lebensenergie zu vermeiden, die mir dann hoffentlich für viele weitere Lebensjahre zur Verfügung steht.