Bild: canva (khunkorn)

Die ePA aus Sicht der Selbsthilfe – ein Meinungsbeitrag des Blog-Teams

Norbert:

Seit April 2025 hat jeder, der nicht vorher widersprochen hat, seine eigene ePA bekommen.

Danach kann man immer noch widersprechen und eine Löschung beantragen. Am einfachsten ist eine E-Mail an die Krankenkasse. Die Daten selbst bleiben lokal also z.B. in der Arztpraxis erhalten. Am Anfang ist jede ePA leer.

Was ist drin?

  • Abrechnungsdaten(letzte 4 Jahre) von der eigenen Krankenkasse(keine Berufsgenossenschaften-Abrechnungen, keine Deutsche Rentenversicherungs-Abrechnungen, keine privaten Zahlungen) werden automatisch eingestellt
  • ausgewählte (Zahn) Arzt- Entlassbriefe, Berichte, Laborwerte usw., die Behandelnde dort explizit einstellen
  • keine Dateien über 25 MB (z.B. MRT, CT etc.)
  • automatisch: E-Rezept-Daten ab dem Zeitpunkt des ePA-Einsatzes
  • Wichtig ! auch von Versicherten selbst hochgeladene Dokumente
  • Zahnbonusheft

Nicht wundern: Einige Versicherer bieten zusätzliche Funktionen über die ePA-App an und deshalb sieht sie nicht immer gleich aus

Daten-Zeiträume für ePA-Daten?

  • Daten aus der Zeit vor der ePA-Nutzung aus Praxen und Kliniken werden nicht automatisch in die ePA eingestellt.
  • Behandelnde können auf Wunsch der ePA-Nutzenden ältere Daten in die ePA hochladen.
  • Daten, die in der ePA abgelegt sind, bleiben lebenslang dort.
  • Patientinnen und Patienten können Daten aber selbst löschen.
  • Ein Jahr nach dem Tod der/des Versicherten werden ePA-Datengelöscht.

Weitere Informationen:

Man kann direkt in der ePA-App sehen, welche Ärzte darauf zugreifen dürfen und kann das selbst direkt über die App einstellen. Jeder Zugriff auf die ePA wird gespeichert, auch wer welche Daten angesehen oder hochgeladen hat.


Ankh:

Meine elektronische Patientenakte nutze ich jetzt seit knapp einem Jahr. Wobei „nutzen“ vielleicht etwas zu viel gesagt ist – ich schaue meist vor oder nach Arztbesuchen in meine ePA.

Damit ich die ePA überhaupt einrichten konnte, musste ich zunächst die PIN für meine elektronische Gesundheitskarte organisieren. Die konnte ich in meinem Fall online bei der TK bestellen. Außerdem brauchte ich meine Versichertennummer und eine gültige E-Mail-Adresse.

Das Herunterladen der Apps meiner Krankenkasse ging schnell. Das Einrichten und Aktivieren hätte ich mir allerdings deutlich einfacher gewünscht.

Um die elektronische Patientenakte bei der TK über mein Smartphone einzurichten und meine persönliche GesundheitsID anzulegen, sollte ich unter anderem meine Gesundheitskarte kurz an das Smartphone halten. Dafür benötigt man eine NFC-fähige Gesundheitskarte, die passende PIN sowie die TK-App und die TK-Ident-App.

Nur: Was bedeutet eigentlich NFC-fähig? Also erst einmal nachlesen und die Gesundheitskarte überprüfen. Immerhin – meine Karte war bereits dafür geeignet. NFC bedeutet schlicht „Nahfeldkommunikation“.

Die nächste Herausforderung war das Scannen der Karte. Bis ich die richtige Position am Smartphone gefunden hatte, brauchte ich einige Versuche.

Wenn ich ehrlich bin, hat mich das alles ziemlich genervt. Aber mein Ehrgeiz war geweckt: Wenn andere das schaffen, kann ich das auch.

Ich folgte weiter der Schritt-für-Schritt-Anleitung – und irgendwann öffnete sich tatsächlich meine ePA. Das war dann schon ein kleines Aha-Erlebnis: Meine letzten Arztbriefe waren einsehbar, mein Impfstatus war hinterlegt und ich konnte sehen, dass dort noch einige Impflücken bestehen. Auch meine verordneten Medikamente wurden angezeigt. Besonders interessant fand ich, welche Diagnoseschlüssel verschiedene Ärztinnen und Ärzte abgerechnet hatten.

Natürlich handelt es sich dabei um sehr sensible Daten. Die elektronische Patientenakte bietet aber auch Möglichkeiten zum Datenschutz. So kann man selbst festlegen, welche Ärztinnen oder Ärzte Zugriff erhalten oder welche Informationen eingeschränkt werden.

Ein großer Vorteil für mich ist, dass ich meine Gesundheits- und Krankheitsinformationen jederzeit griffbereit habe. Als ich kürzlich telefonisch einen Arzttermin vereinbarte, fragte ich direkt nach, ob die Praxis auf die ePA zugreifen könne. Dadurch musste ich keine Befunde kopieren und in Papierform mitbringen.

Für Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken ist die Nutzung der elektronischen Patientenakte inzwischen verpflichtend. Trotzdem erlebe ich noch häufig Aussagen wie: „Das können wir nicht.“ Auf Nachfrage heißt es dann oft, es fehle an Informatikern, die die Systeme einrichten. Ganz ehrlich: Für mich klingt das eher nach einer schwachen Ausrede, um sich nicht intensiver mit der ePA beschäftigen zu müssen.

Ich selbst habe mich inzwischen schnell an die elektronische Patientenakte gewöhnt. Erst in dieser Woche habe ich allerdings gemerkt, dass ich meine aktuelle Medikationsliste noch nicht hochgeladen hatte – genau danach wurde ich nämlich beim OP-Vorgespräch beim Augenarzt gefragt.

Mein Fazit: Der Einstieg in die ePA war für mich mühsam und stellenweise nervig. Inzwischen möchte ich die Möglichkeit, wichtige Gesundheitsdaten jederzeit griffbereit zu haben, aber nicht mehr missen.


SuHiEck:

Ankhs grundsätzlich positiver „Bewertung“ der ePA stimme ich zu.

Zu Ankhs Kritik sollte aber meines Erachtens zur Erklärung gesagt werden:

Es ist sozusagen dem Datenschutz geschuldet, dass es, sowohl für Patient*innen, als auch für Praxen und andere medizinische Einrichtungen, einen erheblichen Aufwand bedeutet, die Anwendung der ePA zu konfigurieren. Bereits im Vorfeld der – zunächst geplanten – allgemeinen, verpflichtenden Einführung wurden jedoch eine Fülle von Vorbehalten geäußert.

Teils zu Recht, teils aufgrund abwegiger „Befürchtungen“. Um allen Bedenken Rechnung zu tragen,  wurden zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen unumgänglich, deren „Begleiterscheinungen“ man nun durchaus wieder als „Hindernisse“ wahrnehmen kann.


Selbsthelferin:

Ich habe eigentlich nichts gegen eine elektronische Patientenakte einzuwenden.

Ich habe nur einen Kritikpunkt daran:

Wie kann ich meine elektronische Patientenakte nutzen, wenn ich gar keinen Arzttermin bekomme? Bzw. erst in 8 Monaten, z.B. bei einer Fachärztin?

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, das Geld, das für die elektronische Patientenakte eingesetzt wurde, zunächst in eine zeitnahe Versorgung zu investieren?

Bei mir entsteht das ungute Gefühl, dass mir mal wieder eine Verbesserung vorgegaukelt wird, die nicht an den eigentlichen Problemen in unserem Gesundheitswesen ansetzt. Und diese Formen der Verbesserung kenne ich nun seit 40 Jahren. Ich mag sie nicht mehr leiden!


Solveigh:

Vor einigen Wochen bekam Udo einen neuen Computer. Hin und wieder wurde ich, z.B. zum Ablesen von Zahlen oder zur Suche nach Apps gerufen. Da ich seit langer Zeit alles mit meinem Smartphone erledige, fiel mir auf, dass ich Computermäßig den Anschluss verloren habe. Diese Erkenntnis ließ mich aufmerksam werden.

Durch einen Artikel im Kiss Blog holte mich die elektronische Patientenakte wieder ein. Als das Thema erstmals aufkam, war ich strikt dagegen. So wie viele, schrie mein Gefühl „ und der DATENSCHUTZ!?“ Damit war die „ePA“ erstmal vom Tisch. Jetzt aber möchte ich mich intensiver damit beschäftigen. Die ersten Informationen, meine Daten zusammengefasst und für mich zugänglich und bestimmbar, hört sich gut an. Vielleicht steht nach Ende dieser Recherche meiner Akte nichts mehr im Weg.

Eine einfache Befragung bei Familie und Bekannten (ca. 50 Personen) ergab, das die Jüngeren befürworteten oder schon eine Akte haben, die älteren überwiegend aus Datenschutz-Gründen dagegen sind. Einige waren unentschlossen, da sie nicht genügend Hintergrundwissen hatten.

Auch meine Einstellung zur Kartenzahlung hat sich geändert. Gerade für mich, als stark seheingeschränkt, ist die Bargeldzahlung sehr anstrengend. Vor 4 Wochen habe ich den Versuch gestartet bargeldlos zu zahlen. Mein Leben ist entspannter und mehr Geld gebe ich tatsächlich nicht aus.

Der technische Entwicklung schreitet immer schneller voran und lässt sich nicht aufhalten.

Ich für meinen Teil werde weiterhin meine Kraft in Bereiche investieren, in denen ich hoffe, etwas zu erreichen.

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Avatar-FotoHin und wieder schließen sich mehrere Autor*innen des kiss.blogs zusammen, um gemeinsame Beiträge zu bestimmten Themen zu verfassen. Diese lesen Sie hier!