Schon lange stelle ich mir die Frage:
Wie ist das eigentlich mit den Stimmen der Hörbücher?
Als leidenschaftliche Hörerin bin ich in den Genuss vieler Bücher gekommen. Wobei, bei einigen Hörbüchern war plötzlich der Inhalt nicht mehr präsent, denn die Stimme war mir unangenehm. Woran könnte das liegen? Würde mir mancher Text, von anderer Stimme gelesen, besser gefallen? Oder würde ich Hörbücher, die mich begeistert haben, von anderer Stimme gelesen, schrecklich finden?
Was macht für mich eine gute Vorlesestimme aus?
Vielleicht eine gute Artikulation, damit ich dem Inhalt gut folgen kann. Auch ein angemessenes Tempo. Im besten Fall sollte mich der Vorleser oder die Vorleserin fesseln und den Text lebendig werden lassen.
Gibt es die schönste und beste Stimme? Es dürfte schwierig werden, denn unsere Empfindungen sind zu unterschiedlich.
Neulich hörte ich „Das Seehaus“ von Kate Morton. Die Stimme der Sprecherin passte perfekt zum spannenden Inhalt. Ein grusliges Märchen, z.B. „Hänsel und Gretel“ wäre von ihr gelesen bestimmt auch ein Vergnügen.
Eines meiner absoluten Lieblingsbücher ist „Dagegen die Elefanten“ von Dagmar Leupold.
Herr Harald scheint aus der Zeit gefallen. Er lebt allein und zurückgezogen. Er ist für die Garderobe am schönsten Theater der Stadt zuständig. Die Menschen vertrauen ihm für kurze Zeit ihre Mäntel und Taschen an. Der Geruch der Kleidung verrät ihm etwas über die gesellschaftliche Stellung des Besitzers. Während der Vorstellung blättert er in liegengebliebenen Büchern oder schreibt schöne Sätze in ein kleines Notizbuch mit Gummizug und Bleistift. Er gehört zum Theater, aber keiner nimmt ihn wahr. Eine Frau blättert für einen berühmten Pianisten die Notenblätter um und Herr Harald sieht ihr mit großer Zuneigung zu. Sie ist das Spiegelbild seines Daseins, notwendig, doch nicht gesehen. Eine leise Geschichte, die sich weniger auf Oper oder Musik konzentriert, sondern sich dem Alltag der Titelfigur, ihren Gedanken, Gefühlen und Sehnsüchten auf wunderbare und hinreißende Art hingibt.
Ich verlieh das Buch und es wanderte im Freundeskreis umher. Meine Begeisterung wurde nicht geteilt. Von „ganz nett“ bis „später fast ein bisschen langatmig“ war alles dabei.
Ich möchte den Sprecher der Münchner Hörbücherei jetzt nicht in den Sprecher-Himmel erheben, aber ich glaube meine Begeisterung hat auch mit der Melodie seiner Stimme zu tun. Sie lässt mich den Inhalt wie ein Theaterstück vor mir sehen.
Ein herzliches Dankeschön an all die Stimmen und den Menschen dahinter, die uns, trotz unserer Einschränkungen ermöglichen, mitfühlen und mitreden zu können.
Durch das Hören sind wir immer dabei.